Nach einjähriger Pilotphase führt das Untergäu die offene Jugendarbeit weiter

19. Apr 2024
Oltner Tagblatt

Von und für Jugendliche: Das neue Logo der OJUG, das durch die Jugendliche Amina Safari (vorne links) erarbeitet wurde, und die zuständigen Gemeindevertretenden der Verbundsgemeinden sowie Fachpersonen der OJUG.

Insbesondere sozial benachteiligte Jugendliche würden stark von der professionellen Betreuung im Jugendtreff Kappel profitieren. Ziel ist es, den jungen Menschen einen Schutzraum zu geben und sie in die Gesellschaft und das politische Geschehen einzubinden.

«Jugendliche wollen einen Ort für sich haben, sie wollen sich ausprobieren und ohne Leistungsdruck zusammen sein können», sagt David Bieli, Geschäftsleiter der Kinder- und Jugendförderung KJFB, und zeigt auf das Interieur des Jugendraums in Kappel: Eine Bar, ein Billardtisch und eine leere Wand. Diese sei ein aktuelles Projekt der Jugendlichen, sie wollen die freie Stelle nach ihren eigenen Vorstellungen mit Bildern und Plakaten ausgestalten. Um die 28 Jugendliche würden am Mittwochnachmittag und am Freitagabend, wenn der Raum geöffnet ist, jeweils kommen.

Die Gemeinden sind jetzt vom Angebot der KJFB überzeugt

Der Raum an der Schulhausstrasse in Kappel bleibt den Jugendlichen nun mit Sicherheit erhalten. Nach einer einjährigen Pilotphase haben die vier Verbundgemeinden Gunzgen, Hägendorf, Kappel und neu auch Rickenbach entschieden, die Arbeit der KJFB weiterhin und zeitlich unbeschränkt zu unterstützen. Zudem erhöhten die Gemeinden das Anstellungspensum für die Mitarbeitenden der KJFB von 40 auf 60 Prozent. Die Finanzierung übernehmen die vier Gemeinden jeweils im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl und der Anzahl Jugendlicher, die den Raum besuchen.

«Das freut uns sehr», sagt Ruedi Schärli. Der Präsident der Kappeler Kommission Kultur und Soziales hat sich stark für eine professionalisierte Jugendarbeit im Untergäu eingesetzt. «Es war nicht gerade einfach, die Gemeinden ins Boot zu holen, weil das halt auch Geld kostet.» Mit einer Informationsveranstaltung und klaren Zielsetzungen hätten sie die Gemeinden 2022 schliesslich überzeugen können, die Arbeit der KJFB für ein Jahr zu testen.

Ein Schutz- und Freiraum

Dass das Mandat an die KJFB nun unbefristet übergeben wurde, zeigt: Jugendarbeit ist den vier Gemeinden etwas wert. Warum haben sich die vier Gemeinden nun dazu entschlossen, die KJFB weiterhin zu finanzieren, was ist der Nutzen der offenen Jugendarbeit?

«In der Pubertät findet ein kompletter Umbau im Kopf statt», erklärt der ausgebildete Sozialarbeiter Bieli. Es sei eine Zeit, in der man sich ausprobieren, sich selbst kennenlernen wolle. Darum sei es wichtig, dass die jungen Menschen auch einmal ohne fremde Erwartungen entspannen und mit Gleichalterigen zusammen sein könnten. Deshalb gebe es im Jugendraum auch keine aufgeschriebenen Regeln, dafür aber ausgebildete Betreuungspersonen, die für einen sicheren Rahmen sorgen würden.

Das Angebot diene aber auch dem Jugendschutz, sagt Bieli. Das Fachpersonal würde auffallend viele Gespräche mit den Jugendlichen über deren familiäre, schulische und berufliche Sorgen und Ängste führen. «Viele Jugendliche erzählen, dass sie stark unter Leistungsdruck stehen», führt Bieli aus. Nicht nur in der Schule oder in der Lehre, sondern auch zu Hause und in den Vereinen gehe es oft indirekt um Wettbewerb, etwa in Sport- oder Musikvereinen.

Gesellschaftliche und politische Integration

Dann gebe es auch viele Jugendliche, die in ihrer Freizeit nicht wüssten, was sie tun sollen. «Wir wollen nicht, dass sie am Abend am Bahnhof herumhängen», ergänzt Schärli. Das sei auch im Interesse der Gemeinden. Gerade junge Menschen aus benachteiligten Gesellschaftsschichten bräuchten nicht nur einen Ort, an dem sie sich am Abend aufhalten könnten, sondern auch eine sinnvolle Beschäftigung. Etwa, indem sie den Raum mitgestalteten.

Zudem hätten viele einen Migrationshintergrund, rund 40 Prozent der Jugendlichen in der Region, sagt Schärli. Besonders für diese jungen Menschen sei es wichtig, dass sie das Gefühl bekommen, an ihrem Wohnort etwas bewirken zu können. Dafür würde die KJFB auf sogenannte non-formale und informelle Bildung setzen, erklärt Bieli. Das heisst: Jugendliche sollen politische Prozesse nicht nur theoretisch in der Schule lernen, sondern selbst erleben können. Etwa, indem sich ein Vertreter der Gemeinde mit ihnen an den Tisch setzt, um mit ihnen ihre Anliegen zu besprechen.Alles in allem würden sich die jungen Menschen im Jugendraum gut benehmen. Klar gehe es manchmal auch turbulent zu und her, sagt Bieli, doch das gehöre auch zu dem Alter dazu. Erfreulich sei, dass bei ihnen Alkohol kein Thema sei. Das zeige, dass der Jugendtreff gut geführt werde.

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KJFB

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